Ehrenamt, puh… Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann wissen die wenigsten von uns, wie viel in Chemnitz auf freiwilliger Basis passiert. Von der Stadtmission über die Caritas, in der IHK und im Freiwilligenzentrum – ehrenamtliche Arbeit zieht sich durch viele Bereiche des Stadtlebens. Aber was hat das mit mir zu tun? Eine ganze Menge!
Fangen wir mal von vorne an: Es ist das Jahr 2006, ich bin in der Gebrüder-Grimm-Grundschule auf dem Kaßberg und interessiere mich für Musik und Theater. Mit dem Hort unternehmen wir oft Ausflüge. An zwei Orte erinnere ich mich bis heute besonders gern: das Haus Arthur und das Kraftwerk.
Das Kulturhaus Arthur ist ein gemeinnütziger Verein, hier werden viele kreative Projekte durch engagierte Menschen ermöglicht. Das Kraftwerk ist heute ein richtiges Mehrgenerationenhaus. Dort war ich mit elf zum ersten Mal in der Kinderdisco. Das war damals ziemlich cool. Als Kind habe ich hier gelernt, wie man töpfert, Seide bemalt, Körbe flicht oder ein Osternest bastelt. Ich feierte dort Schulanfang, Jugendweihe, Geburtstage, hatte Auftritte mit dem Chor, dem Sportensemble oder einer Schultheatergruppe. Wahrscheinlich war das die erste richtige Bühne, auf der ich jemals stand.
Für die kleine Luise waren diese Ausflüge immer wahnsinnig bereichernd. Rückblickend fühlte sich meine Kreativität an diesen Orten immer wie eine Superkraft an, die sich endlich entfalten konnte – sicherlich ging es nicht nur mir so. Und das alles durch Menschen, die mit ihrer Zeit und Energie Kindern und Jugendlichen kulturelle Zugänge ermöglichten.
Aber irgendwann reicht einem die Kinderdisco nicht mehr aus. Ich wollte richtig feiern gehen – bis die Sonne aufgeht. Und so lernte ich ab 2014 die Chemnitzer Clubszene kennen. Viele der Clubs wurden durch vereinzelte hauptamtliche Mitarbeiter*innen und viele Ehrenamtler*innen getragen. Auch wir veranstalteten eigene Partys, dekorierten, machten den Einlass und legten auf. Mit unserer Partyreihe „Rave for Humanity“ haben wir sogar genügend Geld eingenommen, um darüber hinaus für Zwecke unserer Wahl spenden zu können. Eine wirklich bewegende Zeit, die nicht nur durch die eigene Pubertät, sondern eben auch durch diese Begegnungen, Orte und Veranstaltungen geprägt wurde.
Mit 14 wurde ich auch in den Theaterjugendclub des Schauspielhauses aufgenommen. Das erste Jahr war unglaublich spannend für mich, aber es endete leider auch mit Herzschmerz: Nicht nur hatte es unser Stück „Küsse.Bisse.Penthesilea.“ nicht zum Theatertreffen der Jugend geschafft, auch das gesamte Schauspiel-Ensemble wechselte zum Ende der Spielzeit nach Leipzig – genau wie unser Regisseur. Ich war am Boden zerstört.
Aber wir wollten weitermachen, zusammen! Es war das AJZ in Chemnitz, das an uns und unsere Idee glaubte und uns einen Raum gab – ehrenamtlich organisiert! Und dieses Vertrauen sollte sich am Ende auszahlen, denn das Projekt war ein voller Erfolg: „Love.Life.Reality.“ lief über ein Jahr und wurde zu zwei Theatertreffen im In- und Ausland eingeladen.
Was das mit Ehrenamt zu tun hatte? Alles!
Ehrenamtliche Arbeit hat meine Kreativität schon im Kindesalter gefördert und mir eine Bühne gegeben, einen Ort zum Ausprobieren, Scheitern und Wachsen. Ich habe gelernt, was Leidenschaft bedeutet. Leidenschaft für ein Projekt, eine Gruppe, einen Zweck, der einem am Herzen liegt. Heute bin ich Schauspielerin und trage diese Leidenschaft in mir. Jeden Tag.
Unsere Autorin
Luise Emilie Tschersich wuchs in Chemnitz auf und zählt heute zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Generation. Sie spielt die Hauptrolle in „Blutige Anfänger“, ist zweifach Grimme-nominiert und wurde 2024 als beste Nachwuchsdarstellerin geehrt. Zudem ist sie eine der Rising Stars der eSports-Szene.
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