Das Leben im Rampenlicht, auf der Bühne und vor der Kamera war schon immer mein Traum. Seit ich denken kann, wollte ich Schauspielerin werden. Meine Eltern haben mir schon früh beigebracht, dass ich das nur durch harte Arbeit und mit Durchhaltevermögen erreichen kann. Aber wie hart es ist, ein Leben ohne Sicherheiten zu bestreiten, das musste ich erst am eigenen Leib erfahren, um es zu verstehen und meinen Umgang damit zu finden.
Mein bisheriger Karriereweg hatte Höhen und Tiefen. In der Filmwelt kann die Münze wahnsinnig schnell von einer Seite auf die andere kippen. Ich durfte in einer erfolgreichen Jugendserie spielen und Fans aus der ganzen Welt treffen. Ich wurde mehrfach für Preise nominiert und habe 2024 den Immenhof Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin gewonnen. Ich stand drei Jahre lang im ZDF als Hauptdarstellerin in der Serie „Blutige Anfänger“ vor der Kamera und musste mir keine Sorgen machen, wie es weiter geht. Da kann es leicht passieren, dass man ein wenig abhebt und sich in Sicherheit wiegt. Aber irgendwann platzt die Blase. So wie bei mir 2025.
Von der ZDF-Prime Time auf die Wartebank
Plötzlich kamen nur noch wenige Castings und die Rollen bleiben aus. Ich stand vor der Frage: „War’s das jetzt?“. Plötzlich musste ich mir Gedanken über einen Plan B machen, den ich nie wirklich hatte. Es fühlte sich tatsächlich ein bisschen wie Liebeskummer an, weil ich den Job, den ich so liebe, nicht einfach weiterverfolgen konnte. Eines jedoch haben sowohl die Höhen als auch Tiefen für mich gemeinsam: Sie zwingen mich dazu, die Bodenhaftung nicht zu verlieren.
"Irgendwas kommt immer“
Durch meine Erfolge der letzten Jahre stieg meine Bekanntheit stark an. Seitdem werde ich immer wieder auf der Straße erkannt und nach einem Foto gefragt, doch auch die Erwartungshaltung an meinen Social Media Auftritt ist gewachsen. Es geht um Likes und steigende Follower-Zahlen. Und genau da, in Zeiten des Höhenflugs, brauche ich ein Umfeld, das mich erdet und daran erinnert, bloß nicht abzuheben. Aber auch in schwierigen Phasen, in denen die Branche gerade ist und wo ich das Gefühl habe, dass mir die Hände gebunden sind, ist Erdung für mich ein wichtiger Faktor geworden, um nicht aufzugeben. Es fiel mir schon immer schwer, meine eigenen Fortschritte zu sehen und anzuerkennen, wie weit ich es bereits geschafft habe. Vor allem, weil es in der Filmbranche viel zu leicht ist, sich mit anderen zu vergleichen.
In solchen Momenten schaue ich mir in Chemnitz eine Produktion des Theater-Jugendclubs oder ein Kindermusical meiner Musikschule an, denn dann habe ich wieder vor Augen, wo alles angefangen hat und wie weit ich tatsächlich schon gekommen bin. Diese Momente motivieren mich, weiterzumachen, dranzubleiben und nicht aufzugeben, auch wenn genau das manchmal am leichtesten wäre. In all dem Wirbel zwischen Premieren, Berlinale und Co. möchte ich nicht vergessen, woher ich komme. Denn am Ende des Tages sind all die Erfahrungen und Menschen, die mich geprägt haben, der Grund dafür, warum ich überhaupt bis hierher gekommen bin. Vielleicht ist genau das meine Konstante und die Stabilität, die mir Sicherheit gibt: Zu wissen, wer ich bin, woher ich komme und was ich noch vorhabe. „Irgendwas kommt immer“ – das ist in den letzten Jahren mein Mantra geworden. Und daran halte ich mich fest.
Unsere Autorin
Luise Emilie Tschersich wuchs in Chemnitz auf und zählt heute zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Generation. Sie spielt die Hauptrolle in „Blutige Anfänger“, ist zweifach Grimme-nominiert und wurde 2024 als beste Nachwuchsdarstellerin geehrt. Zudem ist sie eine der Rising Stars der eSports-Szene.
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