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Frühjahr 2026

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Kolumne

Mit dem Strom - oder gegen ihn?

Aus dem Off in die Stadt

Ich war nie diejenige, die immer mit dem Strom geschwommen ist. In der Schule war ich das Theaterkind und durfte mir oft anhören, wie „komisch“ ich angeblich sei. Doch das hielt mich nicht davon ab, meinen Traum weiterzuverfolgen – im Gegenteil: Es spornte mich nur noch mehr an. Später, in der Schauspielschule, habe ich gemerkt, dass man nicht in allen Situationen gegen den Strom schwimmen sollte. Beispielsweise im Bewegungsunterricht: Ich war noch nie besonders sportlich, zwar halbwegs gut im Tanzen, aber von einem ausgeprägten Körpergefühl kann ich nicht sprechen. Im Unterricht ging es darum, den eigenen Körper zu spüren und sich frei zu bewegen – in den wildesten Formen und absurdesten Bewegungen. Mit gerade einmal 18 Jahren war mir das unfassbar unangenehm. So sehr, dass ich vieles nur halbherzig machte. Doch gerade das ließ mich am Ende viel komischer wirken, als einfach mit den anderen mitzumachen. Das war eine wichtige Erkenntnis für mich, so seltsam das klingen mag.

Gegen den Strom für eine einmalige Chance

Und dann gab es eine Situation, in der ich bewusst anders gehandelt habe als andere und dafür bin ich mir bis heute dankbar. Uns wurde dringend davon abgeraten, in den ersten zwei Jahren des Studiums Rollen anzunehmen. Der einzige Fokus: die Ausbildung. Doch als ich erfuhr, dass meine norwegische Lieblingsserie „SKAM“ vom ZDF adaptiert wird, wusste ich: Diese Chance darf ich nicht verpassen!

Doch ich war im ersten Studienjahr, hatte weder eine Repräsentanz noch Kontakte in die Filmbranche. Welche Möglichkeit blieb mir also, um mit dem Sender in Kontakt zu treten? Das offizielle Kontaktformular der Website. Ja, kein Scherz. „Hi, ich studiere Schauspiel und will mich für die SKAMAdaption bewerben. Wo muss ich da hin?" – das war meine Nachricht. Entgegen allen Erwartungen erhielt ich eine Antwort, wurde an die Casterinnen weitergeleitet und stand wenige Monate später für „DRUCK“ vor der Kamera. Zum Leidwesen meiner Mentor*innen, die davon wenig begeistert waren. Aber ich dachte mir wieder: Jetzt erst recht. Ich zeige euch, dass ich beides schaffen kann. „DRUCK“ war für mich der Startschuss für viele großartige Erfahrungen und es war das Projekt, durch das mich meine heutige Agentin entdeckt hat. Seitdem durfte ich fast jedes Jahr drehen und mir die Tür zur Filmbranche immer weiter öffnen.

Stillstand ist gefährlicher als Risiko

Doch egal, wie weit eine Tür offensteht – manchmal kommt man trotzdem nicht hindurch. Dann entscheide ich mich lieber für Bewegung statt für Sicherheit. So kam ich 2024 zum E-Sport. Klar, ich hätte auch wieder in die Gastronomie gehen können, so wie 2021, als ich gerade keine Jobs hatte. Aber ESport hat mich gereizt. Und heute, zwei Jahre später, ist er mein zweites Standbein. Als Gaming-Kommentatorin gelte ich meistens auf Kurs: gegen den Strom.mittlerweile als eine der Rising Stars unter den deutschen Castern. Auch hier stehe ich vor der Kamera, im Studio, vor Publikum und muss mich gerade als Frau in dieser Branche immer wieder behaupten, aber darf auch vorantreiben und verändern. Vielleicht ist es genau das, was mich beweglich hält. Der Wunsch, mich immer wieder neu zu beweisen – vor anderen, vor mir selbst, bei Castings, im Broadcast und in Branchen ohne Sicherheiten. Meinen Kampfgeist nicht zu verlieren, ist schwer – keine Frage. Aber ich bin überzeugt, dass sich Mut, Ehrgeiz und vor allem Durchhaltevermögen irgendwann auszahlen. Und deshalb findet man mich wohl meistens auf Kurs: gegen den Strom.

Unsere Autorin

Luise Emilie Tschersich wuchs in Chemnitz auf und zählt heute zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Generation. Sie spielt die Hauptrolle in „Blutige Anfänger“, ist zweifach Grimme-nominiert und wurde 2024 als beste Nachwuchsdarstellerin geehrt. Zudem ist sie eine der Rising Stars der eSports-Szene.

Foto_Wasser2(c)Sk_Gaming

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