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Frühjahr 2026

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Gondeln gegen den Erstickungstod

Serie: Industriekultur

Von den Teichen in den Städten Südwestsachsens

Am Ende des 15., mit Beginn des 16. Jahrhunderts war das Fasten im Frühjahr noch keine Lifestyle-Maßnahme gegen den inneren Schweinehund. Es diente vielmehr der religösen inneren Reinigung, der Buße und der Nachahmung von Jesus. Und Fasten hatte auch einen praktischen Hintergrund. Es diente vor allem im Frühjahr, in dem die Speisekammern leer waren, dem Vorratsmanagement.

Damals wurde vor allem Fleisch von warmblütigen Tieren gefastet. Fische und andere Wassertiere gehörten nicht dazu. Das brachte die Mönche des Klosters auf dem heutigen Schlossberg in Chemnitz auf die Idee, an dessen Fuß einen Teich anzulegen, in dem man Fische, Biber oder Wasservögel halten oder jagen konnte, um so auch während der Fastenzeit nicht auf Fleisch verzichten zu müssen (Ja, auch Biber. Deren Fleisch galt nicht als Fleisch.). Der Urahn des heutigen Schlossteichs war entstanden. Mit der Reformation und spätestens auf dem Höhepunkt der erfolgreichen Industrialisierung in Chemnitz verlor das noch heute vom Pleißenbach umflossene und gespeiste Gewässer seine quasireligiöse Bedeutung. Im Sommer 1860 kaufte die Stadt das Areal für 19.000 Mark aus purem Pragmatismus zurück, um es vor dem Zugriff eines Bürgers und der anschließenden Bebauung zu retten.

Denn: Vor allem der damalige Bürgermeister Johann Friedrich Müller und der Stadtrat Carl Robert Zipper hatten seinen erholsamen Wert in der ansonsten von Schornsteinen gekennzeichneten Stadtatmosphäre erkannt. Unterstützt vom Chemnitzer Verschönerungsverein trieben sie die Umwandlung in ein Naherholungsgebiet für die Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger voran. Die Mönchskarpfen flogen endgültig raus, Uferwege wurden aufgeschüttet, eine Gondelstation errichtet und später eine Insel aufgeschüttet, um der Verschlammung entgegenzuwirken. Wo früher im Stillen gefastet wurde, suchten nun Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter nach bisweilen Zwölf-Stunden-Schichten in den Fabrikanlagen Zuflucht vor dem Ruß des Fortschritts.

Anders in Zwickau und Freiberg. Hier verdankt man die heutigen Parks mit Teich der Tatsache, dass mittelalterliche Militärarchitektur den stark expandierenden Städten im Weg stand und quasi näher an deren Mitte rückte. Meist verfügten diese Anlagen über tiefe Wassergräben, die wie die Stadtmauern als Schutz einen Angriff von Feinden verhindern sollten.

In Zwickau geht die Anlage des Großen Teiches 1473 zwar schon auf die frühen Bergbauunternehmer Martin Römer und Hans Federangel zurück. Doch im Schatten der boomenden Steinkohleindustrie im 19. Jahrhundert verkam das Areal später zu einer giftigen Sumpflandschaft. Um soziale Unruhen in der sprunghaft wachsenden Kohle-und Industriestadt zu dämpfen, finanzierte der Rat gemeinsam mit dem Geld der lokalen Kohleunternehmer eine radikale Umgestaltung. Sie engagierten Mitte des 19. Jahrhunderts keinen Geringeren als Carl Eduard Adolph Petzold. Der berühmte Landschaftsarchitekt, der sonst Schlösser für den Adel gestaltete, entwarf

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