Zugegeben, die Überschrift dieser Geschichte ist auch ein wenig darauf angelegt, ein paar Kraftklub-Fans in diesen Text zu locken – schließlich wird hier der Titel des aktuellen Albums zitiert. Aber schaden kann es ja nicht, wenn man sich auch in jüngeren Jahren mal kurz mit dem Thema Tod auseinandersetzt. Chemnitz Inside hat den Städtischen Friedhof besucht.
Traditionsreiche Ruhestätte
„Gestorben wird immer“, lautet der deutsche Untertitel der schwarzhumorigen Erfolgsserie „Six Feed Under“. Das gilt natürlich auch für Chemnitz. Im Jahr 2025 beurkundete das Chemnitzer Standesamt 4.437 Sterbefälle, leicht weniger als im Jahr zuvor. Nicht alle Verstorbenen wohnten tatsächlich in Chemnitz: Aufgrund der hohen Klinikdichte im Vergleich zum Umland versterben auch Nicht-Chemnitzer*innen in der Stadt. Das lässt sich an den Zahlen von 2024 gut ablesen: Damals waren 4.489 Sterbefälle beurkundet worden, 3.591 meinten tatsächlich Menschen, die in Chemnitz gemeldet waren. Knapp die Hälfte der Verstorbenen wurden 2025 auf dem Städtischen Friedhof bestattet. 2.132 Beisetzungen vermeldet Wilma Meyer, Leiterin des Friedhofs- und Bestattungsbetriebs der Stadt Chemnitz. Meyer hat in Chemnitz Betriebswirtschaft studiert, sie war mal in der Kämmerei beschäftigt und wirkte bis 2024 als Stadträtin für die SPD, bevor sie in die Stadtverwaltung zurückkehrte. Seit 1. Juli 2024 leitet sie nun den 2002 gegründeten kommunalen Eigenbetrieb, der neben dem Städtischen Friedhof an der Wartburgstraße, dem Urnenhain an der Reichenhainer Straße, dem Friedhof am Richterweg für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mit insgesamt über 40 Hektar Fläche auch das Krematorium und ein kommunales Bestattungshaus unterhält. „Ich habe keine Befindlichkeiten mit dem Sterben“, sagt Meyer: „Für mich ist der Betrieb eines Friedhofs ein klassisches und wichtiges Instrument der kommunalen Daseinsvorsorge.“ Zudem handele es sich beim Chemnitzer Friedhof um einen besonders schönen und traditionsreichen: Seit dem 28. April 1874, also seit mehr als 150 Jahren, finden an der Wartburgstraße Beisetzungen statt. Das Krematorium wurde im Jahr 1906 eröffnet – als erstes Krematorium überhaupt in Sachsen.
Zuvor kämpfte ein „Verein für Feuerbestattung“ rund 20 Jahre darum, die Freigabe der Feuerbestattung für Sachsen zu erwirken. Ein entsprechendes Verbot ging noch auf Kaiser Karl den Großen aus dem Jahr 785 zurück, die Einäscherung galt lang als unchristlich und widersprach der klassischen Erdbestattung. Obwohl Sachsen und Böhmen Vorreiter in Sachen Feuerbestattung waren, wirkt dieses einstige Verbot bis heute in Sachsen nach: Auch für Einäscherungen herrscht bis heute eine Sargpflicht. Dennoch bilden Urnenbestattungen heute – anders auf vielen von Kirchgemeinden betriebenen Friedhöfen – die übergroße Mehrheit unter den Bestattungen auf dem Städtischen Friedhof: Von den 2.132 Beisetzungen wurden 2025 nur 59 als Erdbestattungen durchgeführt. „Die Zahl hat in den vergangenen Jahren ganz leicht zugenommen, vorallem durch verstorbene Geflüchtete, die sich eher erdbestatten lassen“, sagt Meyer.
"Für mich ist der Betrieb eines Friedhofs ein klassisches und wichtiges Instrument der kommunalen Daseinsvorsorge."
Wilma Meyer,
Leiterin des Friedhofs- und Bestattungsbetriebs der Stadt Chemnitz
Günstige Bestattungen in Chemnitz
Eine Kostenfrage sei das nicht unbedingt, sagt Meyer – vor allem wegen der Sargpflicht. Überhaupt kann man sich in Chemnitz vergleichsweise günstig bestatten lassen, hat Anfang Februar die Zeitung Die Welt dargestellt. Bestattungs- und Grabkosten schwanken bundesweit stark, so das Medium unter Berufung auf den Verein Aeternitas Verbraucherinitiative Bestattungskultur, das die Gebühren aller 79 deutschen Großstätte mit mehr als 100.000 Einwohner*innen verglichen hat. Dies sei so, weil Kommunen die Höhe ihrer Friedhofsgebühren selbst festlegen dürfen. „Ein Urnenreihengrab kostet mit einer Ruhezeit von 20 Jahren plus Beisetzung und Nutzung der Trauerhalle in Kassel 2656 Euro, während in Chemnitz nur 580 Euro anfallen. Eine Urnennische kostet in Krefeld für eine Dauer von 30 Jahren 10.780 Euro, in Chemnitz für 20 Jahre nur 612 Euro.“ Auch bei Erdreihengräbern liegt man in Chemnitz besonders günstig – 896 Euro über 20 Jahre bedeuten bundesweit Platz 2 hinter Berlin. Städte wie Göttingen, Mülheim an der Ruhr und Moers sind bis zu vier Mal teurer.
Auch die Kosten für die Leistungen der Bestattungsbetriebe empfindet Wilma Meyer als angemessen. Das Kommunale Bestattungshaus gibt es – wie das Krematorium – seit 1906. Etwa 900 bis 1.000 Todesfälle landen jährlich hier – oft vor allem dann, wenn Tote allein in der Wohnung aufgefunden werden und keine Vorsorge für den Todesfall getroffen wurde oder bestattungspflichtige Verwandte – Angehörige ersten Grades und Ehepartner*innen – auf die Schnelle nicht aufzufinden sind. „Nicht jeder dieser 1.000 Fälle führt letztlich auch zur Bestattung durch das KBH“, sagt Wilma Meyer. „Bei einem Teil regelt es sich doch noch anders und ein privates Bestattungshaus übernimmt.“
Marktfähige Angebote
Der Markt sei – anders als noch in den 1990er Jahren – gut gesättigt, ohne dass ein ruinöser Wettbewerb herrsche. Nach wie vor gibt es rechtlich keine großen Beschränkungen, um als Bestatter*in tätig zu sein. Markteintrittsbarrieren wie einen Meisterzwang gibt es nicht. So starten auch immer wieder neue Unternehmen, die mit besonderen Serviceleistungen aufwarten. Auch das KBH mit seinen zehn Mitarbeiter*innen – alle mit klassischer Bestatterausbildung – arbeitet immer wieder an neuen Angeboten, da ist die Marktwirtschaft Marktwirtschaft: Wer stehenbleibt, fällt im Feld der konkurrierenden Unternehmen zurück. Als kommunaler Betrieb muss das KBH die Leistungen zu marktüblichen Preisen anbieten – sonst könnten private Marktteilnehmer klagen. Insgesamt kalkuliert der Friedhofs- und Bestattungsbetrieb seine Leistungen und Gebühren so, dass der Gesamtbetrieb eine angemessene Eigenkapitalrendite von fünf bis sechs Prozent pro Jahr erwirtschaftet – also jährlich etwa 200.000 Euro Überschuss entstehen. „Wenn wir mehr Gewinn hätten, müssten wir unsere Gebühren senken“, sagt Wilma Meyer. Bis 2016 wurde dieser Überschuss an den städtischen Haushalt überführt, seitdem verbleibt er im Betrieb, um Investitionen aus eigener Kraft stemmen zu können.
Über Jahre wurde so zuletzt für Investitionen in die vier Ofenlinien im Krematorium gespart. Die Rauchgaskühlung muss für 4 Millionen Euro erneuert werden, um die Schadstoffbelastung herabzusetzen. Nach mehrjähriger Planungsphase ist es so weit, dass im Sommerhalbjahr 2026 die ersten beiden Ofenlinien ersetzt werden können. „Diesen Zeitraum haben wir gezielt gewählt, damit das Krematorium im Herbst wieder voll einsatzfähig ist – denn eine überdurchschnittliche Zahl an Todesfällen tritt in den Wintermonaten auf.“ 2025 wurden im Chemnitzer Krematorium an der Reichenhainer Straße circa 5.300 Einäscherungen durchgeführt. Die Zahl ist deutlich höher als die der Todesfälle, weil Chemnitz hier auch Serviceleistungen für Umlandgemeinden übernimmt. Theoretisch könnte auch hier private Konkurrenz entstehen, doch die ist derzeit erst in Thüringen vorhanden. „Wer also – warum auch immer – abseits unseres Krematoriums einäschern lässt, muss einige Kilometer Transport mitbedenken.“
Friedhof im Wandel
Das „warum auch immer“ könnte am gesetzestreuen Umgang des Chemnitzer Krematoriums mit den Resten der Verstorbenen liegen: Urnen werden grundsätzlich nicht in private Hände übergeben. „In Sachsen herrscht weiterhin Friedhofszwang und entsprechend lassen wir uns bei jeder Aushändigung bestätigen, auf welchem Friedhof bestattet wird.“ Wer in Chemnitz eingeäschert wird, wird deshalb an einen Friedhof oder für eine Seebestattung übergeben. Dabei versucht der Städtische Friedhof Chemnitz, aktuellen Wünschen und Ansprüchen der Verstorbenen und Hinterbliebenen gerecht zu werden. So wurde inzwischen ein muslimisches Grabfeld eingerichtet, der Friedhof bietet die Grabpflege durch die eigenen Mitarbeitenden an, auch Bestattungen in einer Art Friedwald sind möglich – sowohl in anonymen Urnenfeldern wie in persönlichen Grabstätten rund um alten oder neuen Baumbestand. „Wir dürfen diesen Teil des Friedhofs offiziell nicht Friedwald nennen“, erklärt Wilma Meyer: „Wir haben aber ein ähnliches Angebot, bei dem man zusätzlich auch die Infrastruktur am Friedhof und rundherum – also etwa die gute Verkehrsanbindung – nutzen kann.“ Insgesamt gehe aktuell der Trend wieder hin zu höherwertigen Bestattungen, beispielsweise in Partnergrabstätten oder kleineren Urnengemeinschaftsgräbern.
Auch sonst beobachtet Wilma Meyer den Friedhof im Wandel: „Deutschland wird bunter – und damit auch die Bestattungskultur. Picknicks am Grab, wie etwa in lateinamerikanischen Ländern üblich, versuchen auch wir möglich zu machen, wenn dadurch die Andacht und Trauer anderer Besucher nicht beeinträchtig wird.“ Wenn man die Entwicklung deutschland- und europaweit beobachte, seien inzwischen Friedhöfe an manchen Orten bereits mit Spielplätzen oder auch mit ausgewiesenen Joggingpfaden ausgestattet. „Ob wir uns auch in solche Richtungen öffnen wollen, obliegt letztendlich aber der Entscheidung des Chemnitzer Stadtrates“, so Meyer. vtz
Letzte Ruhe bei Richard Hartmann
Auf dem Städtischen Friedhof gibt es eine Reihe von denkmalgeschützten Grabstätten. Sind die Nutzungsrechte abgelaufen, ist der kommunale Betrieb für Erhalt und Pflege zuständig. Darüber hinaus werden Partnerschaften zur Pflege solcher Grabstellen vergeben – derzeit gibt es etwa 30 Partnerschaften. „Wir erwarten kein finanzielles Engagement, freuen uns aber, wenn uns jemand etwa bei der Grünpflege oder bei Restaurationsarbeiten unterstützt“, so Friedhofsleiterin Wilma Meyer. Ganz grundsätzlich kann man sich auch in besonderen Grabstellen bestatten lassen, sobald die 20-jährige Nutzungszeit abgelaufen ist, beispielsweise in der von Richard Hartmann – hier sind jedoch die Gebühren höher als bei regulären Grabstellen.